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St. Elisabeth:Beten für eine gute Sandkerwa

Mit einem Gottesdienst in der übervollen St. Elisabeth-Kirche begannen die Feierlichkeiten anlässlich der Wiederkehr des Weihetages dieser Kirche im Sandgebiet. Zelebrant Dekan Björn Wagner verblüffte mit seiner Predigt.
Datum:
Veröffentlicht: 29.8.25
Von:
Marion Krüger-Hundrup

Wie heißt es doch so gern? „Die Kirche erbebte bei dem kräftigen Gesang in den Grundmauern.“ So lässt sich aber trefflich beschreiben, was das gotische Kirchlein St. Elisabeth zum Auftakt der 75. Sandkerwa am Mittwochabend (20.08.2025) erlebte. Es war rappelvoll. Und die vielen Besucher des Eröffnungsgottesdienstes schmetterten mit einer Inbrunst das bekannte Lied „Ein Haus voll Glorie schauet…“, dass es wohl weit ins Sandgebiet hinausschallte. Kein Wunder, wurde dieser Laienchor doch auch von stimmgewaltigen Profis unterstützt: Mitglieder des Domchores gestalteten unter der Leitung von Domkapellmeister Vincent Heitzer die Messfeier musikalisch. Und selbst eingefleischte Kirchgänger, die sonst die üblichen Vorabendmessen in St. Elisabeth wahrnehmen, waren begeistert über den plötzlich so berauschenden Klang der Steinmeyer-Orgel in der vollen Kirche: Vincent Heitzer brachte gekonnt diese Königin der Instrumente ins Brausen.

Alle hörten zu: Die Angehörigen des Bürgervereins 4. Distrikt der Stadt Bamberg mit ihrer Vorsitzenden Simone Franke, die lokale Politprominenz mit OB-Kandidaten respektive -kandidatin, das Sandmadla Lena Dütsch in schlichtem Zivil statt Dirndl, und die „Sandkerwa-Überzeugungstäter“ aus Nah und Fern. Dekan Björn Wagner lieferte diese Bezeichnung und den frommen Wunsch, „dass alles gut wird auf der Sandkerwa, dafür wollen wir beten, und mit den Augen des Herzens und des Verstandes die Welt um uns herum ansehen und lernen“.

Dekan Wagner, ein gebürtiger Bamberger und jetziger Priester des Erzbistums München-Freising, zelebriert seit nunmehr elf Jahren den Eröffnungsgottesdienst zur Sandkerwa, und zwar in Vertretung vom urlaubenden Dompfarrer Markus Kohmann. Der Gastpriester aus München hatte aber heuer mit Helmut Hetzel, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereiches Bamberger Westen, einen würdigen Konzelebranten an seiner Seite. Die jungen Männer Bertram und Kilian fungierten andächtig als Ministranten und sorgten vor allem für dichte Weihrauchwolken.

Dekan Björn Wagner brachte in seinen Gottesdiensttexten und in seiner durchaus auch launig vorgetragenen Predigt das Kunststück fertig, den Anlass dieser Feier mit keiner Silbe zu erwähnen. Kein Wort darüber, dass es ohne die einstige Spitalkirche „St. Elsbethen im Sand“ – so 1404 erstmals erwähnt – gar keine Sandkerwa geben würde. Aus der vom Bürgerverein 4. Distrikt herausgegebenen Chronik geht hervor, dass die erste Weihe der „Kapelle des damaligen Heilig Geist Spitals“ vermutlich am 24. August 1354 zu datieren ist. Nach ihrer Säkularisation 1802 erwarb 1878 die Stadt Bamberg das Kirchlein, das am 19. November – am Gedenktag der Namenspatronin Elisabeth – 1883 neu geweiht wurde.

Ein Hinweis aus der Chronik noch für alle Sandkerwafans: Der erste Nachweis einer Kirchweih am 24. August „mit Fisch- und Schlachtschüsselessen“ stammt aus dem Jahr 1531. Eine Anregung zu Distriktkirchweihen durch den Gastwirt Johannes Humann aus der Gastwirtschaft „Zum Griesgarten“ in der Unteren Sandstraße im Jahr 1911 wurde nicht aufgenommen. Erst 1949/50 tauchten Überlegungen bezüglich einer Sand-Elisabethenkirchweih wieder auf, die dann seit 1951 in die Tat umgesetzt wurde.

Prediger Wagner, der mit der Sandkerwa aufgewachsen ist und ihre Historie nur zu gut kennt, brachte seiner Zuhörerschar also eine ganz andere Geschichte zu Ohren. Die nämlich des heiligen Zisterziensers Bernhard von Clairvaux (um 1090 bis 20. August 1153), dessen Marienverehrung und Christusmystik die Frömmigkeit der Zeit und der folgenden Jahrhunderte stark prägte. Björn Wagner bündelte seine Ausführungen zu guter Letzt in drei Punkten, die der heilige Bernhard selbst seinen Mitbrüdern – „uns allen“ – zur Nachahmung empfohlen hatte: 1. Weniger auf das eigene Urteil verlassen als auf das anderer. 2. Niemals an dem rächen, der mich verletzt hat. 3. Vermeiden, ein Ärgernis zu geben.

So gerüstet für die kommenden fünf Tage Sandkerwa bedankte sich die Gottesdienstgemeinde mit tosendem Beifall bei den Zelebranten und beim Domchor. Und strömte hinaus durch das weit geöffnete Kirchenportal zum gegenüber liegenden Bierstand. Nach dem Brot für die Seele durfte das flüssige Brot für den Leib natürlich nicht fehlen.